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35 Jahre nach Semipalatinsk fordern Kasachstan und die CTBTO erneut weltweite Maßnahmen zur Beendigung von Atomtests

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Von Katsuhiro Asagiri

TOKIO / ASTANA / WIEN (INPS Japan) — 35 Jahre nachdem Kasachstan das ehemalige sowjetische Atomtestgelände Semipalatinsk geschlossen hat, haben das Land und die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) erneut zu internationalen Maßnahmen aufgerufen, um Atomtests dauerhaft zu beenden.|ENGLISHJAPANESE

Der Appell erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Atomwaffen wieder eine größere Rolle in den nationalen Sicherheitsstrategien spielen und das globale System der nuklearen Abrüstung und Nichtverbreitung zunehmend unter Druck gerät.

Yermek Kosherbayev, Minister of Foreign Affairs of the Republic of Kazakhstan (Left) and Dr. Robert Floyd, Executive Secretary of the Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization (Right).
Yermek Kosherbayev, Minister of Foreign Affairs of the Republic of Kazakhstan (Left) and Dr. Robert Floyd, Executive Secretary of the Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization (Right).

In einer gemeinsamen Erklärung vom 29. August anlässlich des Internationalen Tages gegen Nuklearversuche bekräftigten der kasachische Außenminister Yermek Kosherbayev und CTBTO-Exekutivsekretär Robert Floyd ihr Engagement für eine Welt ohne Atomtests und forderten verstärkte Anstrengungen, um den Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) in Kraft zu setzen.

Die Erklärung betonte, dass das Jahr 2026 mehrere bedeutende Meilensteine für die weltweite nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung markiert.

Im Mittelpunkt steht dabei der 35. Jahrestag der Schließung des Atomtestgeländes Semipalatinsk.

Mehr als 450 Atomtests – und ein bleibendes Vermächtnis

In Semipalatinsk im heutigen Nordosten Kasachstans führte die Sowjetunion über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten mehr als 450 Atomtests durch.

In der weitläufigen Steppe stehen noch immer Überreste der Testanlagen und zeugen von den menschlichen und ökologischen Folgen des Atomzeitalters.

Die gemeinsame Erklärung bezeichnete Semipalatinsk als ein eindringliches Beispiel für die „gefährlichen Folgen, menschlichen Traumata und Umweltschäden“, die durch Atomtests verursacht wurden.

The first USSR nuclear test Joe 1 at Semipalatinsk, Kazakhstan, 29 August 1949. Credit: CTBTO
The first USSR nuclear test Joe 1 at Semipalatinsk, Kazakhstan, 29 August 1949. Credit: CTBTO

Am 29. August 1991, kurz vor der Auflösung der Sowjetunion, schloss Kasachstan das Atomtestgelände Semipalatinsk.

Diese Entscheidung, so die Erklärung, ging weit über die Schließung eines einzelnen Testgeländes hinaus. Sie sandte eine „starke politische Botschaft“ an die internationale Gemeinschaft und spielte eine wichtige Rolle in der breiteren weltweiten Bewegung, die letztlich zur Verabschiedung des CTBT führte.

18 Jahre später, im Dezember 2009, erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen auf Initiative Kasachstans den 29. August zum Internationalen Tag gegen Nuklearversuche.

30 Jahre CTBT

In diesem Jahr wird auch ein bedeutender Jahrestag des CTBT begangen.

Der Vertrag wurde am 10. September 1996 von der UN-Generalversammlung verabschiedet und am 24. September zur Unterzeichnung aufgelegt. Am ersten Tag unterzeichneten 71 Staaten den Vertrag.

Nach Angaben der gemeinsamen Erklärung haben inzwischen 188 Staaten den Vertrag unterzeichnet und 179 ratifiziert. Kosherbayev und Floyd begrüßten die jüngste Unterzeichnung und Ratifizierung durch das Königreich Tonga und betonten, dass jedes weitere Engagement die internationale Norm gegen Atomtests stärkt.

Doch drei Jahrzehnte nach seiner Verabschiedung ist der CTBT noch immer nicht in Kraft getreten.

Der Grund dafür ist, dass sein Inkrafttreten die Ratifizierung durch alle im sogenannten Anhang 2 (Annex 2) des Vertrags ausdrücklich aufgeführten Staaten voraussetzt.

Kosherbayev und Floyd forderten daher die Länder, die den Vertrag noch nicht unterzeichnet und/oder ratifiziert haben, auf, dies unverzüglich zu tun. Insbesondere riefen sie die verbleibenden Annex-2-Staaten, deren Ratifizierung für das Inkrafttreten des CTBT erforderlich ist, dazu auf, ihr Engagement für nukleare Nichtverbreitung und Abrüstung unter Beweis zu stellen.

Darüber hinaus forderten sie alle Staaten auf, ihre bestehenden Moratorien für Atomtests einzuhalten und erneut zu bekräftigen.

Zentralasiens Entscheidung für eine Region ohne Atomwaffen

Ein weiterer Jahrestag im Jahr 2026 hat für Kasachstan eine besondere Bedeutung.

Am 8. September jährt sich zum 20. Mal die Unterzeichnung des Vertrags von Semipalatinsk, mit dem die zentralasiatische atomwaffenfreie Zone geschaffen wurde.

Semipalatinsk Former Nuclear Weapon Test site/ Katsuhiro Asagiri
Semipalatinsk Former Nuclear Weapon Test site/ Katsuhiro Asagiri

Die gemeinsame Erklärung bezeichnete das Abkommen als eine „historische Errungenschaft“ und als Beleg für das Engagement der Region für nukleare Nichtverbreitung und Abrüstung.

Semipalatinsk verkörpert damit zwei gegensätzliche Kapitel des Atomzeitalters.

Das eine ist die Geschichte Hunderter Atomtests und ihrer verheerenden Folgen. Das andere ist die Entscheidung, das Testgelände zu schließen und Sicherheit ohne Atomwaffen anzustreben.

Ein globales Netzwerk zur Überwachung von Atomtests

Die Erklärung hob außerdem die Fortschritte beim Aufbau des globalen Verifikationssystems des CTBT hervor.

Heute sind weltweit 308 Einrichtungen zertifiziert – 293 Überwachungsstationen und 15 Radionuklidlaboratorien. Damit ist das Internationale Überwachungssystem (IMS) zu mehr als 90 Prozent fertiggestellt.

Das IMS nutzt seismische, radionuklidische, hydroakustische und Infraschall-Technologien, um weltweit Hinweise auf nukleare Explosionen aufzuspüren.

Die Erklärung bezeichnete das System als ein „einzigartiges globales Gut“, das nicht nur zu internationalem Frieden und Sicherheit beiträgt, sondern auch wichtige zivile und wissenschaftliche Vorteile bietet.

Kasachstan spielt selbst eine bedeutende Rolle im Verifikationssystem. Fünf IMS-Stationen werden vom Nationalen Nuklearzentrum (NNC) des Landes betrieben.

Kasachstan hat außerdem zur Entwicklung der Fähigkeiten des CTBTO für Vor-Ort-Inspektionen (On-Site Inspection, OSI) beigetragen. Im Land fanden vier Feldübungen statt, unter anderem auf dem ehemaligen Atomtestgelände Semipalatinsk, und zwar 1999, 2002, 2005 und 2008.

Die Übung von 1999 war die erste ihrer Art in der Geschichte der CTBTO, während die Übung von 2008 zu diesem Zeitpunkt die größte jemals durchgeführte Übung dieser Art war.

Die nächste große Übung, die On-Site Inspection Integrated Field Exercise 2026 (IFE26), soll im Oktober in Namibia stattfinden. Es wird die erste derartige integrierte Übung sein, die in Afrika ausgerichtet wird.

Image: More than 300 International Monitoring System (IMS) facilities certified out of the 337 the CTBTO has planned are already in operation. Credit: CTBTO.
Image: More than 300 International Monitoring System (IMS) facilities certified out of the 337 the CTBTO has planned are already in operation. Credit: CTBTO.

Erreichte Fortschritte schützen

Die gemeinsame Erklärung bezeichnete den CTBT neben dem Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) als eine zentrale Säule des internationalen Systems für nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung.

Kosherbayev und Floyd luden die Staaten außerdem zur Teilnahme an der hochrangigen Plenarsitzung der UN-Generalversammlung zur Würdigung des Internationalen Tages gegen Nuklearversuche ein. Diese soll am 31. August am UN-Hauptsitz in New York stattfinden.

Über die Regierungen hinaus rief die Erklärung Diplomaten, Wissenschaftler, Medien und Nichtregierungsorganisationen dazu auf, das öffentliche Bewusstsein für die katastrophalen Gefahren und Risiken von Atomtests zu schärfen.

Der abschließende Teil der Erklärung vermittelte angesichts der Herausforderungen, denen sich die internationale Gemeinschaft drei Jahrzehnte nach der Auflegung des CTBT zur Unterzeichnung gegenübersieht, ein Gefühl der Dringlichkeit.

Der Jahrestag, so die beiden Vertreter, sollte nicht nur als Erinnerung an das dienen, was die internationale Gemeinschaft erreicht hat, sondern auch als erneuter Aufruf zum Handeln:

„Die hart erkämpften Fortschritte zu bewahren. Neue Dynamik für eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen. Den Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen in Kraft zu setzen und ein dauerhaftes und rechtlich verbindliches Ende der Atomtests sicherzustellen.“

Vor 35 Jahren zeigte die Entscheidung zur Schließung von Semipalatinsk, dass Atomtests durch politischen Willen beendet werden können.

Heute, da der CTBT drei Jahrzehnte nach seiner Auflegung zur Unterzeichnung noch immer auf sein Inkrafttreten wartet, ist die Lehre von Semipalatinsk nicht mehr nur eine Frage der Geschichte. Sie stellt der internationalen Gemeinschaft eine Frage zu den Entscheidungen, die sie heute zu treffen bereit ist – und dazu, ob der politische Wille, der einst zur Schließung eines der größten Atomtestgelände der Welt beigetragen hat, endlich in ein dauerhaftes und rechtlich verbindliches weltweites Verbot von Atomtests umgesetzt werden kann.

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